The Child – Die Stadt wird zum Alptraum


Originaltitel:
Chi l'ha vista morire?
Jahr:
1972
Eingetragen:
23.05.2014
IMDB-Wertung:
6,5/10

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Häufig wird The Child im Zusammenhang mit Wenn die Gondeln Trauer tragen genannt, quasi im Sinne der italienischen Kopierfabrik erfolgreicher Filmkonzepte. Was angesichts der Veröffentlichungsdaten wenig Sinn ergibt und auch inhaltlich nicht so richtig passt: Zwar spielen beide Filme in Venedig, handeln oberflächlig von der schwierigen Verarbeitung eines voneinander leicht entfremdeten Ehepaar des Todes ihrer Tochter, aber die Ausgestaltung könnte kaum unterschiedlicher sein. Hier findet man keinerlei surreale Elemente – wo der bekanntere Film die Trauer internalisiert, wird sie hier komplett externalisiert.

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Leiche im Kanal
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Was sich so äußert, dass der betroffene Vater (George Lazenby) versucht, auf eigene Faust den Mörder seiner Tochter (Nicoletta Elmi) zu finden. Womit The Child sich also erstmal als klassischer Kriminalfilm gibt, in dem die fiesen Verdächtigen, die eventuell alle in einer großen Verschwörung hinter der Fassade der gehobenen Gesellschaft zusammenhängen, bald häufen.

Cineastisch interessant ist dabei, wie sehr sich einige einzelne Szenen dann doch zwischen den genannten Filmen ähneln: die düstere Gondelbestattung; der verzweifelte, distanzierte und gleichzeitig besonders intime Sex nach einem Streit; das mehr oder weniger ziellose Streifen durch die verwinkelte Stadt. All dies muss man wohl als Ausdruck eines stilistischen Zeitgeistes über Staats- und Kulturgrenzen hinweg verstehen. Was mal wieder zeigt, dass Ästhetik an sich keine oder nur sehr beschränkte inhärente Aussagekraft besitzt. Sie ist formbar in die eine oder andere Richtung.

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