Der Mieter


Originaltitel:
Le Locataire
Alternativtitel:
The Tenant
Jahr:
1976
Eingetragen:
14.02.2014
IMDB-Wertung:
7,7/10

Wer ist Roman Polanski eigentlich wirklich? Eine mögliche Angabe wäre: Der Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller des Films Der Mieter. Um ein solches Abenteuer einzugehen, muss man schon einige stark ausgeprägte Persönlichkeit mitbringen. Nicht ganz so ausgeprägt ist jene von Polanskis Charakter im Film, Trelkovsky, dem – nach einer hochnotpeinlich-inquisitorischen Vorstellung beim Besitzer (Melvyn Douglas) – neuen Mieter.

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Spirale in den Abgrund
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Eine andere Marke? Wieso nicht?
Trelkovsky tritt die Nachfolge der jungen Simone (Dominique Poulange) an, die sich aus unbekannten Gründen vor Kurzem aus dem Fenster gestürzt hat. Kurz bevor sie endgültig das Zeitliche segnet, besucht Trelkovsky, der nun mitten in ihren Besitztümern lebt, sie noch einmal im Krankenhaus. Er taucht immer mehr in ihr Leben – oder zumindest darin, wie er sich dies einbildet – ein. Er besucht die Cafés, die sie frequentierte, wo ihm wie zufällig gleich mal ihre Zigarettenmarke serviert wird.

In die anscheinend fest eingeschworene Hausgemeinschaft kann er sich nicht einfügen: Schnell gilt er als unerträglicher Krachmacher. Zu allem Überfluss weigert er sich auch noch, eine Petition gegen eine andere allseits verhasste Bewohner zu unterschreiben. Was sich in weiteren anonymen Beschwerden gegen ihn selbst rächt. In seiner Wohnung wird eingebrochen, gestohlen werden aber ausschließlich seine Dinge – es bleiben ihm nur Simones. Trelkovsky verfällt seelisch und körperlich zusehends. In Fieberträumen kommt er zu dem Schluss, dass sich alles gegen ihn verschworen hat, mit dem Ziel, ihn in Simone zu verwandeln. Ein sich ständig steigernder externer Druck, dem er sich trotz allen Widerstands nicht mehr entziehen kann.

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Was die Nachbarn…
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…da drüben wohl veranstalten?
Der zutiefst kafkaeske Alptraum findet nicht von ungefähr in einem verwinkelten, von seinem massiven Treppenhaus, in dem der mit eingezogenem Kopf herumlaufende Trelkovsky besonders klein und unbedeutend wirkt, dominierten Haus und eben der Wohnung mit ihren hohen Decken, die ihren Bewohner ebenso klein werden lassen, statt. Scheinbar anonym, aber doch permanent beobachtet stellt sich das Leben in diesem Mikrokosmos dar. Wer nicht passt, wird passend gemacht. Wie das Mädchen (Eva Ionesco), das laut allen Nachbarn ein Junge ist (oder sein sollte). Oder eben Trelkovsky selbst.

Von dem Moment, in dem er das Haus betritt, scheint sein Schicksal besiegelt. Ein Entkommen ist unmöglich: Weder die halbherzige Flucht ausgerechnet zu einer guten Freundin Simones (Isabelle Adjani), noch der überstürzte Umzug in ein anderes Haus bringen die Befreiung. Überall hin verfolgen ihn die Nachbarn, überall haben sie ihre Informanten und selbst die offiziellen Autoritäten, wie die Polizei, stecken mit in der Verschwörung, die ihn immer wieder an seinen Platz in dem Haus zurückverfrachten. Bis, ja bis Trelkovsky keine Wahl mehr bleibt, als unter dem Applaus von den Zuschauerrängen die ihm zugedachte Rolle mit Haut und Haaren anzunehmen.

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Bereit für den großen Auftritt
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Das Publikum ist erwartungsfroh
Soll heißen: Hier wird die endlose Paranoiaspirale nicht nur einfach nur erzählt, sondern durch die konsequente Verengung auf die Perspektive des machtlosen Protagonisten in sich immer weiter steigernden Verfremdungseffekten auch sichtbar gemacht. Die Wahrnehmung seiner Umgebung verändert sich erst schleichend, dann mit steigender Geschwindigkeit und Intensität. Ein Abstieg, in dem Regisseur Polanski die Zuschauer mitnimmt. Nur, um an strategisch ausgewählten Stellen dann doch schlaglichtartig wieder ganz kurz in eine externe, entlarvende Beobachterperspektive zu wechseln.

Doch auch der Schauspieler Polanski überzeugt. Nicht nur passt er eben von seiner äußeren Statur her und mit seinem ihn sofort als Fremden identifizierenden Akzent in die Rolle, sondern er hinterlässt mit seiner Leistung primär die offene Frage, warum er hiernach nie mehr in entscheidender Rolle vor der Kamera stand. Vor wie auch hinter der Kamera: Hier befand sich Polanski auf dem Höhepunkt seiner auch in ihrer Gesamtheit sehenswerten Karriere!

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