El Cid


Originaltitel:
El Cid
Jahr:
1961
Eingetragen:
09.09.2013
IMDB-Wertung:
7,2/10

Charlton Heston spielt mal wieder den selbstlosen Erlöser. Diesmal muss der mittelalterliche Ritter Rodrigo de Bivar, als „El Cid“ spanischer Volksheld, herhalten. Rodrigo opfert sein privates Glück mit Jimena (Sophia Loren), indem er erst ihren Vater (Andrew Cruickshank) ermordet (er zeigt sich überrascht, das dies die Beziehung „etwas“ belastet) und dann – aufgrund göttlicher Bestimmung – niemals zu Hause ist, sondern sich permanent auf Kreuzzug gegen die Invasion des fiesen afrikanischen Emirs Ben Yussuf (der arme Herbert Lom mal wieder in einer undankbaren, da beinahe permanent vermummten Rolle) befindet.

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Drei Stunden zusammengefasst: Der Bösewicht greift nach Spanien…

Da sich die Handlung über Jahre und Jahre hinzieht (was jeweils ausschließlich durch den Bartwuchs verschiedener Charaktere repräsentiert wird), gibt es dabei mehrere innere Grundkonflikte zu lösen. Rodrigo eckt bei den christlichen Königen immer wieder an, weil er Allianzen mit den spanischen Mauren schmiedet. Und als der alte König Kastiliens (Ralph Truman) stirbt, bricht blutiger Streit um die Nachfolge zwischen seinen Kindern (John Fraser, Gary Raymond und Geneviève Page) aus. Da Rodrigo, trotz scheinbar begingungsloser Königstreue, trotzdem unabhängig denkt, fällt er mehrfach in Ungnade, wird verbannt, wieder zurückgerufen usw. Nichts kann jedoch seinen Aufstieg zum Symbol des Widerstandes gegen die Invasion aufhalten.

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…Jesus stellt sich ihm entgegen…

Nun ist El Cid entstanden, bevor Lawrence von Arabien genau dieses Monumental-Erlösergenre kräftig umgekrempelt hat. Insofern ist es eventuell unfair, den älteren Film mit diesem extrinsischen, später entstandenen Bewusstsein im Rückblick zu kritisieren. Doch aus heutiger Sicht ist es schon wirklich schwierig, diesem völlig ungebrochenen Pathos zuzuschauen. Dass dieser Figur des Rodrigo nicht mal eine einzige, noch so kleine, persönliche Schwäche zugestanden wird, nervt!

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…Frau und Kinder kommen dadurch zu kurz.

Das führt einerseits dazu, das man als Zuschauer niemals in den Film, der ja trotz Überlänge praktisch nur aus dieser einen Figur besteht, hineinkommt. Man soll anscheinend stattdessen von außen bewundernder Beobachter sein. Das ist jedoch – trotz allen Produktionsaufwandes mit Massenszenen – über drei Stunden schwierig als Motivation aufrechtzuerhalten. Einzige Identifikationsfigur könnte eventuell Jimena sein, die zumindest anfangs menschliche Regungen zeigt (sie will Rache am Mörder ihres Vaters, plant also den Mord an Rodrigo), dann jedoch nach plötzlicher Versöhnung nur noch die „verständnisvolle Frau eines großen Mannes“ gibt. Überhaupt bestreitet Sophia Loren den Film mit nur einem Gesichtsausdruck: Überernst, von der Last des Lebens gezeichnet.

All das hat eine gewisse Ironie, denn die Geschichte handelt ja von einer Person, deren historischer Verdienst wohl die Inklusion war. Dies wird auf dem Bildschirm auch immer mal wieder thematisiert. Doch die Einbeziehung heutiger Zuschauer fällt diesem perfekten Menschen schwer. Vielleicht hätte er doch im Mittelalter bleiben sollen und seine Zeit ist einfach vorbei.

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