Karriere durch alle Betten


Originaltitel:
The Lonely Lady
Jahr:
1983
Eingetragen:
30.12.2012
Bearbeitet:
31.12.2012
IMDB-Wertung:
2,9/10

Wichtig Information vorweg: Der Produzent dieses Films ist nicht Meshulam Riklis. Der Film soll sogar schon in Planung gewesen sein, bevor Riklis' talentfreie Ehefrau Pia Zadora sich in den Kopf gesetzt hatte, ein großer Filmstar zu werden. Trotzdem ergatterte sie irgendwie die Hauptrolle. Beim deutschen Verleih bewies man immerhin Humor bei der Formulierung des deutschen Titels – oder erkannte man einfach das biographische Potential?

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Der unrühmliche Beginn einer Filmkarriere, die immerhin länger währte als die Pia Zadoras
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Der Agent ist interessiert an Pias „Talenten“
Den „Inhalt“ des Films wiederzugeben ist schon ein recht sinnloses Unterfangen. Zadora ist dem Drehbuch nach die zuerst naive Schülerin Jerilee, die aufgrund des Gewinns irgendeines Nachwuchsautorenpreises glaubt, nun eine große Zukunft im Filmgeschäft vor sich zu haben. Auf dem Anwesen des tatsächlich berühmten Drehbuchautoren Walter (Lloyd Bochner) wird sie von Ray Liotta mit einem Gartenschlauch vergewaltigt. Ihre Mutter (Bibi Besch) weigert sich, Anzeige zu erstatten, weil ja ohnehin nur „Aussage gegen Aussage“ stünde (es gab ja auch nur drei weitere Zeugen, von denen garantiert keiner zu Gunsten Joes ausgesagt hätte…).

Walter (in Relation zu Jerilee Angehöriger der Großelterngeneration) zeigt Interesse an dem Mädchen, was nicht unbedingt dadurch besser wird, dass Pia in diesem Teil des Films ausschließlich in Kleinmädchenkostüme gesteckt wird, was angesichts ihrer winzigen Statur auch – besser als der gesamte restliche Film – wirkungstechnisch funktioniert. Er heiratet sie (aufgrund ihrer… Persönlichkeit?). Für sie ist es wohl Heldenverehrung und nicht zuletzt eine Chance, von einem „Meister“ zu lernen (wie der Film jedoch in mehreren Szenen ohne Sinn und Verstand betont: nicht im Bett, denn da ist seine Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt). Doch auch er nimmt ihre schreiberischen Ambitionen nicht ausreichend ernst (er erweist sich, was seine Arbeit angeht, als launische Diva) und so bricht die Sache wieder auseinander.

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Hart bei der Arbeit
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Ein weiterer Geschäftsabschluss unter Dach und Fach
Jerilee ist besessen davon, ein von ihr verfasstes Drehbuch verfilmt zu bekommen, bleibt aber erfolglos, da grundsätzlich alle möglichen Agenten, Produzenten und andere potentielle Beteiligte nur an „anderen Dienstleistungen“ interessiert sind (siehe deutscher Titel). Schließlich muss sie sich diesem ungeschriebenen Gesetz Hollywoods fügen. Natürlich liegt das alles an ihrem fehlenden Selbstwertgefühl aufgrund der Geschichte mit dem Gartenschlauch.

So will uns der Film zumindest weismachen. Selten so einen Schwachsinn gesehen! Praktisch jede einzelne Szene spottet jeglicher Beschreibung. Um nur einen der als zentral gemeinten Moment zu erwähnen: Jerilees und Walters Ehe scheitert daran, dass Jerilee sich erdreistet hat, „brillianten“ neuen Dialog für eine Szene in einem von ihm verfassten Film zu schreiben. Das nahm er ihr übel, verwendete die „geniale“ Szene aber trotzdem und heimste die begeisterte Bewunderung von Kritikern, Regisseuren und Darstellern ein.

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Das muss man in Bewegung sehen, um es zu glauben
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Trauer? Begeisterung? Schock? Apathie? In diesem Gesicht sieht einfach alles gleich aus!
Was ist diese „geniale Szene“? Eine Witwe reckt am Grab ihres frisch verstorbenen Mannes die Arme gen Himmel und ruft zweimal „Warum?“ Kein Wunder, dass das einem hochdekorierte Autorenveteran zu peinlich war! Und der gleichermaßen überwältigende Stoff ihres eigenen Drehbuchs, für das sie am Ende tatsächlich einen Preis bekommt (in ihren eigenen Worten): „Zwei Leute, direkt nach dem Vietnamkrieg, lieben sich verzweifelt, aber sie bekommen es einfach nicht hin, weil sie völlig verschieden sind“. Oscarreif!

Was Pia angeht, ist natürlich eigentlich ohnehin schon alles an anderer Stelle gesagt. Es ist einfach nicht nachvollziehbar, warum sie unbedingt zu dramatischen Stoffen berufen fühlte. Wenn man wirklich keinerlei Talent hat, gibt es doch wirklich nur Komödien (wenn, wie in diesem Fall, Action rein körperlich nicht in Frage kommt)! Nicht, dass da nicht auch genug schiefgehen könnte (siehe Voyage of the Rock Aliens), aber niemals fällt einem bei schlechten Komödien dermaßen die Kinnlade herunter, wie in abgrundtief schlechten, aber ernstgemeinten Szenen wie dem Versuch Pias, einen Nervenzusammenbruch zu spielen, während sich die Tasten ihrer Schreibmaschine in wabernde Gesichter verwandeln (!?). Wäre nicht das erste Mal gewesen, dass Jemand ohne Talent im komödiantischen Fach trotzdem eine beachtliche Karriere hinlegt. Durch diese Fehleinschätzung (maßlose Selbstüberschätzung?) war es trotz dem angeheirateten vorhandenen Kapital im Hintergrund aus mit den Hauptrollen und kurz darauf auch mit der Schauspielerei insgesamt.

So blieb der Welt das ausdruckslose Backenhörnchen zumindest ab sofort weitgehend auf der Kinoleinwand erspart. Ein- oder zweimal war es ja ganz lustig gewesen, aber mehr hätte man wirklich kaum ertragen können. Trauriger war es dagegen um Regisseur Peter Sasdy, der im vorigen Jahrzehnt immerhin ein paar solide Filme wie Comtesse des Grauens, Hände voller Blut und Das Dunkel der Nacht hingelegt hatte – seine Karriere war mit diesem Machwerk selbstverständlich ebenfalls vorbei.

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