Khartoum - Aufstand am Nil


Originaltitel:
Khartoum
Jahr:
1966
Eingetragen:
16.09.2012
Bearbeitet:
31.05.2013
IMDB-Wertung:
6,8/10

Araber unter der Führung des „Mahdi“ (Laurence Olivier), der sich selbst für „den Auserwählten“ hält, vernichtet eine ägyptische Söldnerarmee unter britischem Kommando im Sudan. Die britische Regierung will keine weiteren Ressourcen (d.h. Soldaten) mehr für die Abenteuer in diesem Land bereitstellen. Der rebellische General Charles Gordon (Charlton Heston), ein früherer Gouverneur des Sudan, soll jedoch immerhin die Ägypter und Briten aus Khartoum evakuieren, bevor die Stadt an den Mahdi fällt.

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Gefeierte Ankunft des Zivilisations-Messias

Gordons Versuche, mit anderen lokalen Herrschern (Zia Mohyeddin) Allianzen zu schmieden, scheitern. Ein Versuch, mit dem Mahdi selbst zu verhandeln, ebenfalls: Er will an Karthoum ein Exempel statuieren. Die Lage scheint hoffnungslos, doch Gordon ignoriert den Befehl, sofort nach London zurückzukehren. Stattdessen bittet er wiederholt um Entsendung einer Schutzarmee für die Flüchtlinge. Bis diese eintrifft, will er selbst die Stadt verteidigen. Doch wieder lässt sich die Regierung Zeit…

Charlton Heston als strahlender Erlöser, Laurence Olivier in schlechtester Tradition „angemalter Europäer“, die fiese Ausländer darstellen… die Erwartungen sind gelinde gesagt niedrig. Und sie werden erfüllt: Die meiste Zeit wird damit verbracht, bedeutungsschwangere, hochpathetische Gespräche zwischen „großen Männern“ zu führen.

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Der Nil bildet eine natürliche Verteidigungslinie

Kurz nach dem großen Erfolg des gleichnamigen Films überrascht es wohl nicht, dass Hestons Figur ein paar zentrale Charakterzüge von Lawrence von Arabien angedichtet werden sollen. So bezeichnet Gordon Karthoum als „seine Heimat“, in der steifen englischen Gesellschaft findet er sich dagegen nicht zurecht. Doch diese versuchte Parallele geht gründlich in die Hose, da sie entweder auf einer fundamentalen Fehlinterpretation beruht oder einen bewussten Gegenpol zu konstruieren versucht: David Lean und Peter O'Toole stellten Lawrence als einen Mann dar, der die den arabischen Völkern eigene Kultur und Gesellschaft dermaßen bewunderte, dass er sich irgendwann selbst als einer von ihnen wähnte, und an dieser schließlich doch unüberbrückbaren Schwelle zerbrach. Heston als General Gordon tritt dagegen als klassischer Kolonialherr, der „die Wilden“ zu „zivilisieren“ versucht (oder, aus seiner Perspektive, teilweise bereits „zivilisiert hat“), auf. Er scheitert nicht an sich selbst, sondern an der Arroganz der britischen Regierung und Heeresführung. Auch eine Art von Tragik, aber eine ganz andere, als in dem Film, der hier so verzweifelt (und erfolglos) versucht wird zu emulieren. Das entlarvt schließlich nur die reaktionären Sichtweisen der Autoren, Produzenten oder sonstigen Beteiligten.

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