Psycho


Originaltitel:
Psycho
Jahr:
1960
Eingetragen:
05.08.2012
IMDB-Wertung:
8,5/10

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Marion Crane (Janet Leigh), Anfang 30, arbeitet als Sekretärin. Ihre Affäre mit Sam Loomis (John Gavin) führt zu nichts, denn er steht finanziell zu sehr unter Druck, sie zu heiraten. Das oberflächliche Geplappere ihrer Kollegin (Patricia Hitchcock) und die plumpen Annäherungsversuche eines Kunden machen die Sache nicht besser. Da sieht Marion die Chance gekommen: Ihr werden 40000$ anvertraut, die sie zur Bank bringen soll. Trotz aller Loyalität und Gewissensbisse, entschließt sie sich mit dem Geld davonzumachen.

Es ist also eine Protagonistin, wie sie im Buche steht, die Alfred Hitchcock den Zuschauern präsentiert. Sie ist völlig normal, hat ganz normale Probleme und auch wenn sie schließlich mit dem Diebstahl einen Fehler begeht, kann man ihr auch dies nachfühlen. Das hat natürlich System: Diese sympathische Figur, von der wir nun erwarten, dass wir ihr Schicksal für den Rest des Filmes begleiten werden, gerät in das abgelegene Motel von Norman Bates (Anthony Perkins). Bates steht unter der Fuchtel seiner dominanten Mutter… und bereits am ersten Abend ihres Aufenthalts wird Marion unter der Dusche von einer silhouettenhaften Frauengestalt erdolcht!

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Eine Verletzung der grundlegendsten Erzähltechnik, aber bewusst und kalkuliert eingesetzt. Was die Zuschauer wirklich schockiert, tatsächlich aus der Bahn wirft, ist gar nicht mal die für ihre Zeit brutale Mordszene an sich, sondern der Bruch mit der Konvention. Gerade als man sich auf Marions Figur eingelassen hatte, also man trotz der eigentlich bedrückenden Geschichte rund um ihr Schicksal in einem passiv-gemütlichen Zustand angekommen war, verschwindet sie verwirrend von der Bildfläche und stattdessen folgt das Geschehen nun ihrer Schwester Lila (Vera Miles), Sam und dem Privatdetektiv Arbogast (Martin Balsam), die Marions Verschwinden aufzuklären zu versuchen. Norman hat bereits zum Schutz seiner Mutter alle Spuren beseitigt, doch die drei lassen nicht locker.

Solch ein Trick kann natürlich nur einem wirklich guten Geschichtenerzähler gelingen. Was in Händen eines mittelmäßigen Regisseurs sofort an der offensichtlichen Bruchstelle auseinandergefasert wäre, wird bei Hitchcock eben zu einem höchst wirkungsvollen Spiel mit den Zuschauererwartungen, das die Intensität der eigentlich doch recht einfach konstruierten Geschichte nur erhöht. Ein Lehrstück des Spannungskinos, das jedoch aus den genannten Gründen nicht zur Nachahmung empfohlen ist.

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