Horror-Sex im Nachtexpress


Originaltitel:
La Ragazza del Vagone Letto
Jahr:
1979
Eingetragen:
08.03.2012
Bearbeitet:
30.01.2016
IMDB-Wertung:
5/10

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Im „Nachtexpress“ sind weder der Polizist (Giancarlo Maestri), der einen Gefangenen (Gianluigi Chirizzi) transportiert, noch die Prostituierte (Silvia Dionisio), für die der Schaffner (Gino Milli) sehr aktiv als Zuhälter fungiert, die illustresten Fahrgäste: Mit Elio, Nico und David (Werner Pochath, Carlo De Mejo und Fausto Lombardi) sind drei (sehr oral fixierte) „Halbstarke“ an Bord, die erst mit ihren „Scherzen“ und ihrem „ungebührlichen Verhalten“ die anderen Fahrgäste beim Essen nur nerven, dann jedoch mit brutaler Gewalt die Kontrolle über den Zug übernehmen. Das stellt sich so dar, dass die Männer in ein Abteil zusammengesperrt werden, während man sich quer durch die weiblichen Fahrgäste vergewaltigt. Oder zumindest soll das wohl theoretisch die Handlung darstellen.

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Denn so richtig getraut haben sich Drehbuchschreiber, Regisseur und Produzent dann wohl doch nicht. So macht die erste betroffene Dame (Zora Kerova) erstmal sehr freiwillig mit (zumindest, bis der zweite Typ dazukommt). Und die 18-jährige Elena (Fiammetta Flamini), um die „Versteigerung“ deren Jungfräulichkeit erst so ein großes Aufhebens gemacht wird, ist sogar zu 100% mit Spaß dabei. Einzig (ironischerweise) die Prostituierte muss mit viel Geld und Drohungen wirklich gezwungen werden.

Und gerade jene Szene ist es dann auch, die in (verhältnismäßiger) Kürze abgehandelt wird. Die anderen „Sexszenen“ werden dagegen völlig unpassend inszeniert: Hier wird weder Grauen, Schrecken oder Ekel vermittelt, sondern es scheint so, als solle das auf die Zuschauer „erotisch“ wirken – sie werden in voyeuristischster Ausführlichkeit gezeigt. In einem Film, der Vergewaltigungen zum Thema hat. Verlogene Doppelmoral, wir sehen dich kommen!

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Als gewarnt hätte man sich als Zuschauer immerhin frühzeitig betrachten können: In der ersten Szene, noch am Bahnhof, weist ein Mann seinen Privatsekretär an, am Kiosk noch „Lektüre“ zu besorgen – „Sie wissen schon, welche”. Woraufhin jener Angestellte es gegenüber dem Verkäufer direkter formuliert: „Geben Sie mir alle Pornohefte, die sie haben!” Dann folgen eben auch schon die „Besuche“ der Kunden bei der Prostituierten in einer unendlichen Ausführlichkeit sowie ein sinnloses und mehr als platt-durchschaubares (aber immerhin undurchgeführtes) Vater-Tochter Sexgeschichtchen. Irgendwann mag man kaum noch glauben, dass das alles immer noch Vorgeplänkel zum „eigentlichen“ Inhalt des Films sein soll und diese Befürchtungen bestätigen sich eben: Es geht einfach nahtlos auf diesem softpornographischen Niveau weiter.

Wo beispielsweise Der letzte Zug in die Nacht auf dem Papier fast nicht vom Nachtexpress zu unterscheiden ist, liegen doch Welten zwischen den Umsetzungen des praktisch identischen Themas. Konsistenter, spannender und (positiv) abstoßender Schund auf der einen Seite (Der letzte Zug), verlogener, dahinplätschernder und höchstens unfreiwillig komischer Schund auf der anderen (Nachtexpress).

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