A Nightmare on Elm Street


Originaltitel:
A Nightmare on Elm Street
Jahr:
2010
Eingetragen:
27.06.2018
IMDB-Wertung:
5,2/10

Wann lohnen sich Remakes? Im kommerziellen Sinn: Wenn man einen bekannten Namen hat. Im künstlerischen Sinn: Wenn es an der Umsetzung gehapert hat, die grundlegenden Ideen also mehr oder weniger verschwendet waren. Nightmare on Elm Street funktioniert auch heute noch hervorragend, sowohl auf textueller als auch subtextueller Ebene. Insofern muss man dieses Remake schonmal vorab klar in erstere Gruppe einordnen.

Vordergründig folgt man grob der originalen Handlung: eine Gruppe „Teenager“ (noch deutlicher als in den 80er Jahren von Mittzwanzigern gespielt) schlägt sich mit dem Geist des „Kinderschänders“ Freddy Krueger (Jackie Earle Haley), vormals Gärtner des Kindergartens, herum. Der will aus dem Jenseits heraus Rache für seinen Lynchmord durch die Eltern der Kinder nehmen. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall wird der Nachwuchs von Alpträumen heimgesucht, die teilweise tödlich enden.

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Klar, an solche Zeiten kann man sich natürlich nicht mehr erinnern

Die ersten Szenen lassen gleich Schlimmes erahnen: Alle Protagonisten zeigen sich perfekt geschminkt, durchtrainiert, stylish gekleidet und in „coolen“ Autos. Auch durchaus mit sichtbar falschen Brüsten. Nachdem es ein paar Todesopfer gibt, nehmen aber immerhin die relativ gesehen normalsten Menschen (Rooney Mara und Kyle Gallner) das Heft in die Hand, was für vorsichtige Erleichterung sorgt. Wobei allerdings andere Schwächen für weiterhin gedrückte Stimmung sorgen: schwache Tricktechnik und geradezu schwachsinnigen Handlungswendungen. Keiner der Protagonisten erinnert sich mehr an seine Kindergartenzeit? Sie haben sich niemals gefragt, warum es keine Fotos aus ihrer Kinderzeit gibt? Keinem von ihnen ist jemals die Existenz dieses verlassenen Kindergartens aufgefallen? Niemand hat in 15 Jahren jemals den „Geheimraum“ entdeckt?

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Die Orkmaske stammt wohl aus dem Herr der Ringe-Fundus

Jene Hoffnung verfliegt jedoch endgültig, wenn immer mehr die Vorgeschichte Freddy Kruegers in Rückblenden erzählt wird. Solche Handlungsstränge sind meist ohnehin unnötig wie ein Kropf (siehe Psycho IV: The Beginning), schwächen das Mysterium um „das Monster“ nur. Dieser spezielle Fall liegt sogar noch schlimmer. Das zentrale Motiv, das sich selbst noch durch die schwächsten Teile der Originalreihe zog, war die Verständnislosigkeit der Elterngeneration gegenüber ihren Kindern. Letztere waren nicht nur auf sich allein gestellt, sondern hatten von den Autoritäten sogar noch schädliche Repressalien zu befürchten (Schlaftabletten!). Das Nightmare-Remake stellt das ganze im Handstreich auf den Kopf; in einer zentralen Szene bestätigt die jugendliche Protagonistin ihren Eltern gegenüber sogar, sie selbst habe falsch gelegen und was letztere getan hätten (immerhin brutaler Mord eines nicht Verurteilten!), sei richtig gewesen.

Das Ernstnehmen von Teenagerängsten? Die Verarbeitung solcher Ängste in Form von Träumen? Das war mal. Hier atmet nur noch der aktuelle reaktionäre Zeitgeist. Beinahe so, als würde Animal Farm mit der triumphalen Rückkehr der menschlichen Bauern (Kapitalisten) auf den Hof enden würde, womit dann – so die Implikation – wieder „alles in Ordnung“ sei. Ach, Moment, genau diesen Film gibt es ja auch!

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