Der Pornograph


Originaltitel:
Le pornographe
Jahr:
2001
Eingetragen:
26.05.2017
IMDB-Wertung:
5,2/10

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In den Trümmern seiner Existenz
Es gibt Filme, die einfach perfekt die ganze Mentalität eines Kulturkreises repräsentieren. Meist ohne solches intendiert zu haben, es bricht einfach ganz unverfälscht heraus. Was akademisch unglaublich spannend, aber auch subjektiv äußerst frustrierend und ärgerlich sein kann. Siehe Der Pornograph.

Jener ist Jacques, früherer Pornoregisseur der 70er Jahre (Jean-Pierre Léaud). Mit dem Pornorevival neuerer Tage möchte sich eine Produktionsfirma mit seinem Namen schmücken und aus finanziellen Gründen sagt es einen Dreh zu. Wie in seinen früheren Werken möchte es alles „total künstlerisch“ gestalten. Der Produzent weiß jedoch, was die Zielgruppe heutzutage sehen möchte: explizitere Action, lautes Stöhnen, Closeups usw. Jacques resigniert.

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Nicht mehr seine Welt
Es schaut sich wie eine Zusammenfassung dessen, was alles mit dem französischen Kino nicht stimmt: nicht enden wollendes, zielloses Herumgegammel. Pseudo-tiefgründige Dialoge, völlig verkopft, aber trotzdem bedeutungslos. Jacques sah seine Pornokarriere „selbstverständlich“ als Rebellion gegen die verspießte Gesellschaft. Jetzt ist Porno Mainstream und damit nicht mehr seine Welt. Er ist unzufrieden mit seinem Leben und vor allem mit sich selbst („Ich liebe dich, wie du bist“ – „Ich nicht“). Gähn. Platt symbolisch träumt er davon, ein Haus zu bauen, fängt aber niemals effektiv damit an. Sein Sohn (Jérémie Renier) hat den Kontakt zu ihm abgebrochen, als er von seinem Beruf erfuhr, stattdessen ein bürgerliches Leben eingeschlagen und schaut sich – wenn er nicht gerade an studentischen Politdiskussionen, wie sie nach Ende der 70er in echt gar nicht mehr existieren, teilnimmt – den ganzen Tag Pseudo-Kunstfilme an. Ihm schreibt Jacques mitten im Dreh, er sei jetzt kein „Pornograph“ mehr (Implikation: Dieser neue Kram gilt bei ihm nicht mehr als Porno). Doppelgähn!

Und als ob alles noch nicht bescheuert genug wäre, endet das Ganze mit einer Sammlung von Holzhammer-Selbstgeständnissen des Protagonisten, die man anscheinend nicht mehr inszenatorisch einzubauen fähig war. Vorwand ist das Interview einer Journalistin, das so abläuft, dass sie überhaupt keine Fragen stellt, sondern Jacques ungefragt „selbstreflektierende“ Monologe in die Kamera spricht. Spätestens hier ist es nicht mehr nur langweilig, sondern einfach ärgerlich. Ob die Beteiligten wohl wirklich nicht gemerkt haben, wie unglaublich (ungerechtfertigt) prätentiös sie rüberkommen?

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