High-Rise


Originaltitel:
High-Rise
Jahr:
2015
Eingetragen:
23.01.2017
IMDB-Wertung:
5,6/10

Die 70er Jahre – in mancherlei Hinsicht eine Zeit des Gigantismus, aber auch sozialer Utopie. Beides paart sich symbolisch in den Wolkenkratzern, die Architekt Royal (Jeremy Irons) zu erschaffen gedenkt. Im ersten des geplanten Parks residiert er im Obergeschoss wie ein König (oder ein Gott). Nach unten wird die Wohnlage sukzessive weniger begehrt und entsprechend sozial besetzt.

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Hier entsteht eine neue Welt

Im oberen Mittelfeld zieht Arzt Laing (Tom Hiddleston) ein: ein typisch geleckter Karrieretyp. Er freundet sich mit Charlotte (Sienna Miller) an, bei der nicht ganz klar ist, wie sie es wohl in das Stockwerk über ihn geschafft hat. Durch sie kommt er auch mit Wilder (Luke Evans), eigentlich unter seinem Niveau, in Kontakt. Einmal erhascht er sogar eine Einladung auf eine Party des Architekten, auf der ihm allerdings deutlichst gezeigt wird, dass er hier nichts zu suchen hat.

Und das, obwohl der formelle Hausherr eigentlich von einer sozialen Utopie träumt. Einem sozialen Schmelztiegel, in dem reich und arm, gebildet und einfach zusammenkommen. Doch tatsächlich hat er in seinem Mikrokosmos genau diese Unterschiede nur (im wahrsten Wortsinne) zementiert: Zu den mondänen oberen Pools und Fitnesscentern hat man als Unterschichtler keinen Zutritt. Wenn die Oberen doch mal untere Hallen durchschreiten, um beispielsweise das Gebäude in Richtung Arbeit zu verlassen, haben sie nur eine gerümpfte Nase für den gemeinen Pöbel, der sich hier herumschlägt, übrig. Und da der Turm überhaupt eigentlich alles, was man zum Leben braucht, bietet, haben die Bewohner auch kaum mehr Gelegenheit, sich eine größere Perspektive zu bewahren; man dreht sich nur noch um sich selbst und seine eigentlich kleinen Probleme.

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Innen herrscht kalte Pracht

Während der Architekt also abgeschottet in seinem Elfenbeinturm sitzt, geht seine Utopie vor die Hunde. Er sieht das zwar und sucht verzweifelt nach dem Konstruktionsfehler, findet ihn jedoch nicht. Auch, da er schließlich doch nicht bereit ist, Verantwortung für sein Schaffen und seine Rolle zu übernehmen: Bei einem seiner seltenen Ausflüge in untere Gefilde von Wilder konfrontiert, vertuscht er seine Identität.

Das Klassendenken mag heutzutage nicht mehr so ausgeprägt sein, wie in den 70ern. Die Thematik ist trotzdem weiterhin aktuell. So ist es etwas schade, dass es High Rise trotz hoher Produktionswerte nicht ganz gelingt, seine Aussage schadensfrei zu transportieren. Insbesondere muss dabei eine dramaturgische Verfehlung, oder zumindest Lücke genannt werden. Von initialer Exposition, die zu stark auf die oberen Stockwerke fokussiert, folgt ziemlich übergangslos das absolute, brutale Chaos.

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Die Baupläne zeigen nicht alles

Warum selbst Laing, der als klassischer Protagonist erstmal als rationaler Vernunftsanker für den Zuschauer dienen soll, eine kleine Montage, die die vergehende Zeit zeigen soll, plötzlich nicht mal mehr die Notwendigkeit zur Arbeit zu fahren sieht, bleibt unklar. Ebenso, wie es von kleinen Nicklichkeiten um die Benutzung des Pools zu Mord und Totschlag eskaliert ist. Was ja gelinde gesagt nicht ganz unwichtige Fragen sind.

Es verhält sich mit dem Film selbst insofern ironischerweise ein bisschen so, wie mit einiger der Eigenheiten, die er der Oberschicht satirisch vorwirft: Etwas viel Schein. Durch insgesamt guten Unterhaltungsfaktor trotzdem verschmerzbar, auch wenn mehr dringesteckt hätte.

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