Sami Blood


Originaltitel:
Sameblod
Jahr:
2016
Eingetragen:
21.10.2016
IMDB-Wertung:
7,3/10

Elle Marja (Lene Cecilia Sparrok) gehört zu den „Samen“, einer Volksgruppe im nördlichen Schweden. Den Beschlüssen der Stockholmer Zentralregierung folgend besucht sie gemeinsam mit ihrer Schwester (Anne Biret Somby) eine schwedische Schule, wo ihnen immerhin Sprache, Religion und ein paar weitere Grundlagen beigebracht werden sollen. Nebenbei benutzen Wissenschaftler aus dem Süden sie als Objekte für ihre Rassenstudien.

Eine Integration in die Mehrheitsgesellschaft ist dagegen nicht vorgesehen, wie die ambitionierte Elle Marja erfahren muss. Der Besuch einer höheren Schule wird ihr verwehrt, da das Bildungssystem einen solchen Übergang gar nicht vorsieht. Allein durch ihre diesbezüglichen Versuche gilt sie bei sich zu Hause schon bald als Verräterin und ist damit geschasste Außenseiterin. Es bleibt nur die Flucht nach vorn, in die nächstgelegene schwedische Stadt.

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Doch ohne Identität (niemand darf wissen, wer sie wirklich ist), Geld oder ernstzunehmende Kontakte gibt es auch dort für sie keine Perspektive. Es stoßen ihr entweder Ablehnung oder, wenn sie doch mal als Lappin auffällt, nur ein morbides Interesse im gleichen Sinne, wie „Zivilisierte“ sich um die Jahrhundertwende in den Hagenbek'schen Menschenshows amüsierten – sie ist eine Kuriosität. Sehr schnell ist Elle Marja damit in beiden Welten fremd und steht allein da; doch sie gibt nicht auf.

Es ist natürlich immer schwierig, einen Film zu genießen, dessen Sprache man nicht spricht, in dem Sprache aber ein zentraler erzählerischer Aspekt ist. Denn gerade im ersten Drittel wird viel implizit über Sprache als Mittel der Inklusion, aber auch Exklusion erzählt, wenn die Samen-Teenager mit ihrer schwedischen Lehrerin (Hanna Alström) interagieren, von ansässigen Schweden verspottet werden usw. In einsprachigen Untertiteln gehen solche Stilmittel natürlich verloren.

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Andere Symbole bleiben jedoch universell verständlich. Die Kluft zwischen den Kulturen zeigt sich immer wieder, angefangen bei der Kleidung und bis hin zu Verhaltenskonventionen beider Seiten und der Unkenntnis der jeweils anderen. Zentrales Motiv ist dabei der an zentralen Wendepunkten der Geschichte vorkommende jodelähnliche Gesang. Unter den Samen gilt dieser als Zeichen der Verbundenheit miteinander. In der schwedischen Gesellschaft wird genau dieses zum finalen Symbol von Elle Marjas Ausgrenzung. Dass sie dies in ihrem weiteren Leben deshalb hassen lernt, einen Groll auf all diese Traditionen hegt, ist somit nachvollziehbar.

Somit sowohl ein interessantes historisches Kapitel, als auch auf menschlicher Ebene mitfühlend inszeniert und unterhaltend. Einziger Kritikpunkt ist die Einbettung in eine Rahmenhandlung, die Elle Marja mit schwedisch geprägter Nachkommenschaft bei der Beerdigung ihrer Schwester, die sich für ein traditionelles Leben entschieden hatte, zeigt. Dieses Stilmittel wirkt leider eher abgedroschen und vor allem fügt es der eigentlich starken Aussagekraft nichts hinzu.

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