The Day Will Come


Originaltitel:
Der kommer en dag
Jahr:
2016
Eingetragen:
21.10.2016
Bearbeitet:
24.12.2016
IMDB-Wertung:
7,8/10

Wenn man heutzutage verklärt an die späten 60er Jahre denkt, beschwört das wahrscheinlich Bilder befreiender Hippieaktivitäten herauf. Weniger denkt man dagegen an die Kehrseite der Medaille; nämlich, dass die verkrusteten alten Herrschaftsstrukturen noch völlig intakt waren.

Das bekommen jedoch Erik (Albert Rudbeck Lindhardt), Elmer (Harald Kaiser Hermann) und alle anderen Insassen des abgelegenen Kinderheims am eigenen Leib zu spüren. Die beiden Brüder werden aufgrund der Krebserkrankung ihrer alleinerziehenden Mutter dorthinverfrachtet. Zuerst soll es nur vorübergehend sein, doch wie es bei potentiell tödlichen Krankheiten so ist…

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Strammstehen und gehorchen!

Dort herrscht unter der Ägide des Direktors (Lars Mikkelsen) ein strenges Regiment. Während die Mondlandung als Symbol, alles sei schaffbar, kurz bevorsteht, wird jene Hoffnung aus den Kindern herausgeprügelt. Den ganzen Tag müssen sie körperlich harte Arbeit verrichten und jeder noch so kleine Verstoß wird zum Anlass für Schläge genommen. Perspektiven oder Träume eines besseres Lebens werden ihnen ähnlich ausgetrieben. Selbstverständlich alles zu „ihrem eigenen Besten“.

The Day Will Come lebt von der relativ differenzierten Darstellung der gesellschaftlichen Kräfte und Bestrebungen der Zeit. Die Hippiegeneration, repräsentiert durch den Onkel (Paw Henriksen) der beiden Protagonisten, mag in den Großstädten einen frischen Wind der Veränderung verbreiten; bei konkreten Problemen wie diesem ist er aber nicht nur macht-, sondern auch nutzlos, da in seiner gesellschaftstheoretisierenden Lethargie gefangen. Oder die neue Lehrerin (Sofie Gråbøl), die zwar erst versucht, die Zustände von innen aus graduell zu verändern, aber letztlich erkennen muss, dass es vielmehr das System selbst ist, das stärker ist – und sie zu einem Teil von sich macht.

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Aber nicht für immer

Darüber hinaus bekommen die Charaktere über ihre reine repräsentative Funktion hinaus jedoch auch kleine individuelle Züge, die sich jeweils menschlich machen. Wie beispielsweise der besonders brutale Lehrer (Lars Ranthe), der letztlich ebenfalls eine tragische Figur ist, da sein Streben nach der Anerkennung seines Idols und Vorgesetzten permanent unerfüllt bleibt.

Ganz im Sinne der Zeit endet die Geschichte mit einer aufklärerischen Botschaft: Letztlich können die Kinder sich nur selbst aus ihrer Situation befreien. Alle Versuche, sich mit dem System zu arrangieren, sind zu diesem Zeitpunkt gescheitert. Ein rettender Engel von außen wird nicht kommen. Aber immerhin ist der Nährboden zur Selbsthilfe bereits vorhanden.

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