Motel Mist


Originaltitel:
Motel Mist
Jahr:
2016
Eingetragen:
11.10.2016
IMDB-Wertung:
4,8/10

Ostasiatische Kost ist häufig schwer verdaulich. Die gesellschaftlichen Probleme sind häufig schwer verständlich, die Bilder, die gewisse kollektive Traumata repräsentieren, kaum nachvollziehbar. So behandelt Motel Mist anscheinend die gesellschaftliche Ausnutzung von Jugendlichen und Kindern. Doch zu dieser Erkenntnis muss man sich erstmal hinarbeiten, und zu diesem Zweck so Einiges durchstehen.

Im Motel Mistress sind zwei Zimmer repräsentativ belegt. In einem haust ein ehemaliger Kinderstar (Vasuphon Kriangprapakit), der anscheinend völlig durchgeknallt ist. In den Medien breitet seine Mutter aus, er glaube mit Aliens zu kommunizieren und habe diverse mentale Probleme. Dass kein noch so peinliches Detail in der Berichterstattung ausgespart sind, spricht eigentlich schon Bände.

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Der Fokus liegt jedoch erstmal auf dem anderen Zimmer, in dem sich ein Mann mittleren Alters (Surapol Poonpiriya) mit einem Schulmädchen (Prapamonton Eiamchan) zurückgezogen hat. Dieses Zimmer ist einschlägig mit allerlei Sexspielzeug, Kostümen usw. ausgestattet. Und die Zuschauer werden ausführlichst Zeugen, wie er seinen Fetisch auslebt.

Soll also heißen: Die Zuschauer werden praktisch zu voyeuristischen Komplizen beider Fälle und damit zu Mittätern oder zumindest Mitwissern. Was insbesondere im letzteren Fall unangenehm wird, wenn die wohl erwachsene, aber nicht volljährig aussehende Darstellerin immer wieder in Lolita-Posen, gefesselt und geknebelt usw. abgefilmt wird und die Kamera gnadenlos ranzoomt und so keinerlei Distanzierung mehr erlaubt.

Angesichts solcher dem Exploitationgenre zuzuordnenden Szenen gibt es eigentlich als Zuschauer nur zwei Optionen: Entweder man verlässt den Kinosaal vorzeitig (wie es ca. zwei Dutzend Leute getan haben) oder man hält tapfer bis zum Ende durch und verbrämt es im Anschluss intellektuell.

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Was aber immerhin durchaus im Rahmen des Machbaren ist, denn zwischen den vordergründigen Bildern schleichen sich doch ein paar interessante Momente ein, die einige Fragen aufwerfen. Beispielsweise wenn einem auffällt, welche Doppelmoral der Mann vertritt, wenn er über den Verfall gesellschaftlicher Werte schwadroniert, während er sich gerade halbnackt in Lederkluft an einem Teenager abarbeitet. Oder wenn man bemerkt, dass fast alle Charaktere praktisch die ganze Zeit nur mit ihren Smartphones hantieren.

Oder in den gerade mal zwei kurzen Szenen, in denen überhaupt mal Charaktere echte Wünsche und Gefühle kommunizieren: Einmal der Motelangestellte (Wissanu Likitsathaporn) bezüglich seiner Berufswünsche und einmal das eine Mädchen zu ihren Gefühlen für ihre Freundin. Was aber auch jeweils nur kurz währt und wieder von oberflächlichem Internet-Gequatsche abgelöst wird.

Insofern stellt sich einmal mehr die Frage: Muss ein Film unterhalten, Spaß machen, um als „gut“ oder „gelungen“ durchzugehen? Wenn nicht, dann ist Motel Mist ein Treffer.

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