Das Himmelsschiff


Originaltitel:
Himmelskibet
Jahr:
1918
Eingetragen:
28.07.2015
Bearbeitet:
30.07.2015
IMDB-Wertung:
6,6/10

Wieder mal eine Weisheit, die jeder Kinogänger kennt: Auf fremden Planeten erwarten einen tödliche Monster, fiese Alldiktatoren, die einen versklaven wollen, oder beides. Eine Konvention, die sich mit der Zeit im Science-Fiction-Genre eingebürgert hat. Gut jedoch, dass man davon im Jahr 1918 noch nichts wusste.

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Bedeutungsschwanger vor Kolumbus' Portrait
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So führt die Marsexpedition Avanti Planetaros' (Gunnar Tolnæs) ihn genau in der gegenteiligen Richtung von der kriegserschütterten Erde zum utopischen Hippieplaneten, auf dem nicht nur Kriege und sonstige Konflikte überwunden wurden, sondern auch streng vegetarisch gelebt wird und statt drakonischer Strafen nur ehrliche Selbstreflektion von Regelbrechern verlangt wird.

Das geht natürlich in entscheidendem Maße auf Kosten der Spannung. Ein echter Widersacher, ob nun Person, Struktur oder Problem, das sich den abenteuerlustigen Helden entgegenstellt, kann man kaum ausmachen. Am nähesten kommt dem vielleicht Professor Dubius (Frederik Jacobsen) – man erkennt, hier sind sprechende Namen Programm – dessen zugegeben fiesen, aber wenig hinderlichen Handlungen sich darauf beschränken, die Astronauten für ihre Pläne zu verhöhnen und bei den zurückgebliebenen Verwandten, die lange ohne Nachricht über das Verbleiben sind, wiederholt Salz in die Wunden bezüglich des wahrscheinlichen Ablebens der Fortgeflogenen zu streuen. Seine tatsächlichen Aktivitäten gegen die Expedition beschränken sich darauf, bei Abflug und Rückkehr von einer Hügelspitze aus wütend die Faust in Richtung des Himmelsschiffes Excelsior zu schwenken.

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Trotzdem ist die pazifistische Predigt nicht ohne Charme. Natürlich mag man sich über die ungelenke Zeppelinform jenes Himmelsschiffes amüsieren, jedoch ist die zugrundeliegende Wissenschaft für die Zeit sogar gar nicht mal übel. Während „Visionär“ Wells seinen Zuschauern noch 20 Jahre später ernsthaft aus Kanonen geschossene Projektile als Raumgefährt zumutete, befindet sich dieses Gefährt erstmal lange im Bau und ist dann auch mehrere Monate zu seinem Ziel unterwegs, in der Route ist die relative Bewegung der Planeten zwischen Abflug und Ankunft berücksichtigt und man denkt sogar an atmosphärische Schutzanzüge und die Problematik, dass auf dem fremden Planeten eventuell nicht Dänisch gesprochen werden könnte (auch wenn sich die beiden letzten Punkte schließlich in Wohlgefallen auflösen).

Die Charakterkonstellation ist einfach und auf funktionale Aspekte beschränkt, aber effektiv gestaltet. Politisch interessant dabei, dass dem US-Amerikaner (Svend Kornbeck) die problematische Rolle des Querulanten zukommt, während der „Vertreter des Ostens“ (gespielt von einem Mitteleuropäer, der damit optisch am ehehesten an einen Trotzkiisten erinnert, aber wohl einen Chinesen oder Japaner darstellen soll) als einziger in der meuternden Besatzung loyal bleibt.

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Utopische Stoffe haben es immer schwieriger. Gerade zu Kriegszeiten sind aufstachelnde Propagandawerke ohnehin mehr gefragt. Doch Das Himmelsschiff rein auf seine Botschaft gegen den alles zerstörenden Krieg zu reduzieren, wäre auch zu kurz gegriffen. Was einem hier präsentiert wird, geht viel weiter – hier geht es bis an die Wurzeln struktureller Gewalt, die sich inhärent durch unsere Gesellschaft zieht. Das dermaßen umfassend zu verkaufen, ist sogar noch viel schwieriger, als die Fahne zum Ende dieses aktuellen Krieges zu schwenken. Die Mittel und Vorstellungen mögen einem naiv erscheinen, doch die Botschaft sollte man niemals unterschätzen!

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